Forum für Politik und Unterhaltung
Hallo!

Wir würden uns freuen, wenn wir dich im Forum begrüßen dürften.
Klicke einfach in der Navigationsleiste auf "Registrierung" oder in dieser Box auf "Anmelden" und schon bist du einen Schritt weiter und gehörst zur freundlichen Community!

Wir alle freuen uns auf deine Beiträge!

Achtung: Erst nach deiner Anmeldung/Registrierung kannst du alle Foren sehen und Beiträge lesen und beantworten.

Hinweis: Mitglieder die keinen Beitrag geschrieben und sich mehr als 90 Tage nicht eingeloggt haben, werden wieder gelöscht.
Wir bitten um dein Verständnis!

"Der Westen - eine auch geostrategische Überlegung"

Vorheriges Thema anzeigen Nächstes Thema anzeigen Nach unten

"Der Westen - eine auch geostrategische Überlegung"

Beitrag von Austrian Economics am 13.07.17 13:09

"Der Westen - eine auch geostrategische Überlegung"

Zugegeben, zwar lese ich sehr viel über politische und wirtschaftliche Entwicklungen in der Welt, allen voran im Bezug auf China, ein Land, dessen Entwicklung im Bereich des wirtschaftlichen und wissenschaftlich-technologischen Fortschritts mich fasziniert und begeistert, ein Land dass ich auch aus vielerlei anderer Hinsicht, genauso wie seine Bewohner großartig finde, aber ich halte mich mit Schriften darüber allerliebst zurück.

Allerdings bin ich gewiss kein Freund des politischen Systems in China und durch meine Geisteshaltung dem Amerika von Thomas Jefferson zugetan. Insofern müssen meine Gefühle im Bezug auf dieses riesige Land zwiegespalten und zerrissen sein.

In China finde ich eine Dynamik und wirtschaftliche Prosperation vor, die unbestritten, jeder kann es nachlesen, es vermochte, hunderte Millionen Menschen aus der bittersten und widerwertigsten Armut zu befreien. Dies gelang ausschließlich durch eine Öffnung der Märkte und dem Zulassen der menschlichen Eigeninitiative um durch eigenes Handeln im Leben Vorwärts zu kommen. Gleichzeitig ist nicht alles Gold was glänzt und wahrlich kann keine Rede davon sein, dass China ein kapitalistisches Paradies sei. Zu viele Regulierungen und staatliche Eingriffe verhindern im Zusammenspiel mit der Inflation der chinesischen Notenbank auch dort, dass sich die Verbesserungen von Lebensverhältnissen vertiefen und hinsichtlich seiner Qualität breiter aufstellen können. Daher wächst auch das Ungleichgewicht in China, dass man zwischen arm und reich vorfindet, rasant.

Meinungen und missliebige Informationen zu zensieren, werden in China auf Perfektion getrimmt. Mit Hilfe einer staatlich überwachten Digitalisierung, die nicht den Menschen und den Kräften eines freien Marktes, sondern den Zentralstellen der kommunistischen Partei unterworfen sind, kann selbst ein so riesiges Land mit nahezu 1,4 Milliarden Menschen gehalten werden wie in einem Hühnerkäfig. Dies mag jetzt etwas hart klingen, vor allem für mich selbst, der eine so große Affinität zu China hat, aber vielleicht genau darum, übersehe ich nicht die verschiedenfarbigen Schattierungen dieses riesigen Reiches. Es gibt tolle Entwicklungen durch die Menschen, die jeden Tag in China mit unternehmerischer Tätigkeit dieses Land voranbringen und Erfindungen und Entwicklungsprozesse anstoßen, die der Zivilisation insgesamt zu gute kommen und es gibt staatliche Strukturen, die so autoritär sind, dass man immer hoffen muss, dass die dahinter stehenden Politiker entspannt, gelassen und zukunftsorientiert sind.

Der Einfluss des Westens in der Welt nimmt ab. Das erkennt man auch, wenn man sich ansieht, wieviele Verbindungen mit allen möglichen Ländern dieser Erde China gegenwärtig aufbaut, Handelsbeziehungen anstrebt, ausbaut und vertieft. Sogar die erste chinesische Militärbasis in Übersee entsteht nun in Djibuti. Ein Ort, der vielleicht einmal Afrikas erstes Hongkong werden könnte ? Nicht bezogen darauf, dass Chinesen sich in Djibuti so zahlreich niederlassen, sondern bezogen darauf, dass auch Hongkong einst durch das britische Empire gegründet wurde. Oft sind es dann solche Orte, wo die Admiralität sich niederlässt, wo durch Infrastruktur Handelsknotenpunkte entstehen, die hundert Jahre später sich zu prosperierenden Zentren der Zivilisation sich entwickeln. Der Westen ist unattraktiv geworden, sowohl in der Welt als auch im Westen selbst. Die dahinter liegende Ursache versuche ich immer auf einen kurzen und prägnanten Nenner zu bringen. Es sind die Ideale der Freiheit, sowohl wirtschaftliche Freiheit als auch individuelle Freiheit, die in den Ländern des Westens, schaut man sich die seit Jahrzehnten grasierenden Gesetzeswütereien - die von allen Parteien mitgetragen wurden - an, sukzessive abgenommen hat. Kein Wunder also, dass ein Rechtsschwenk, der jedoch seinerseits selbst als Einäugiger unter den Blinden, mit dem Finger nur auf die Linken, statt auch auf seine eigenen Ansätze zeigt, heutzutage stattfindet. Rechts und links, A-Hörnchen und B-Hörnchen, es spielt keine Rolle, sind keine lösungsorientierten Ansätze um den Westen zu restaurieren. Im Grunde, bedürfte es einer Epoche der Restauration westlicher Werte um die Realität mit den ursprünglichen Idealen zusammen zu führen. Heute erleben wir, wie manche Länder des Westens sich an China orientieren. Menschen denken, vielleicht liegt die Ursache der Probleme am System ? Wenn es eine autoritäre Hand gäbe, könnten wir uns in Richtung China entwickeln. Das mag so sein, gilt aber auch hinsichtlich der in Gefängnis gesperrten Menschen, weil sie nichts anderes verbrochen haben, als ein paar Buchstaben in Worte zusammen zu setzen, die von dem was sie sagen sollten, abgewichen sind.

Chinesische Unternehmen sind heutzutage in der Lage sich Teile der Welt zu kaufen. Wieso auch nicht ? Sie haben das Geld. Es ist in Ordnung. Man sollte aber bedenken, dass es durchaus möglich ist, zumindest theoretisch, dadurch in eine Abhängigkeitsfalle zu geraten. Kann sich ein Land, dass von chinesischen Investitionen abhängig ist, es sich leisten, seinen eigenen Bürgern Meinungsfreiheit zu gewähren, wenn diese darin münden kann, die chinesische Politik oder das politische System Chinas zu kritisieren ? Es ist zumindest denkbar, dass Länder sich in die defensive Abhängig begeben. Der falsche Ansatz einer vorgegaukelten Lösung wäre nun, auf Protektionismus zu setzen und der Meinung zu sein, man brauche keinen Handel mit der Welt, die einem nicht gefällt. Wenn dies nämlich passiert, nimmt der Wohlstand massiv ab. Die Ärmsten leiden darunter am stärksten. Die Reichen leiden darunter weniger stark, bleiben sie doch auch im neuen System oben. Aber generell nimmt der Wohlstand aller ab. Das widerum führt zu den nächsten Keimen, aus denen heraus Probleme erwachsen, die nicht kontrollierbar an´s Tageslicht drängen. Nein, die richtige und einzige Lösung ist, der Welt gegenüber sich zu öffnen. Es gilt die Prinzipien einer freien Marktwirtschaft aus den verstaubten Schubladen heraus zu kramen und die eigenen Bürger wieder in die Lage zu versetzen, Wohlstand und Teilhabe an der Welt und dem Leben zu ermöglichen. Dann nämlich, ist man auch nicht in der Situation, sich unbedingt aufkaufen lassen zu wollen, weil man Geld benötigt und kann gegebenenfalls selbst zum Käufer werden. Allerdings steht dahinter dann keine politische Einmischung und der Wohlstand ist auch noch auf nachhaltigen Füßen angelegt, sodass ein Land wie China gezwungen wäre, umzudenken, weil es seinerseits, auch wenn es die größere Bevölkerungsanzahl hat, in die defensive geraten würde. Dazu benötigt es das richtige Geld. Ohne Geld funktioniert gar nichts. Kein Tausch, keine Wertsteigerung, kein Wohlstand, nichts. Das Geld gehört dem freien Markt zurückgegeben. Mit großer Wahrscheinlichkeit würde es durch Edelmetalle wie Gold oder Silber gedeckt. Ein womöglich hartes Geld entstünde aus dem Markt heraus, dass dazu verleiten würde, die wirtschaftlichen Strukturen umzumodellieren. Vom gegenwärtig Konsum getriebenen Handeln würde die Wirtschaft stärker wieder auf Produktion setzen und erst dann den Konsum dadurch ermöglichen. Produktion war auch in China jahrzehntelang der Weg zu gesellschaftlichem Wohlstand. China war die Werkbank dieser Welt. Nun sind dort die technologisch fortschrittlichsten Unternehmen entstanden. Daran zu denken war bis vor 30 noch undenkbar. Schaut man sich Shanghai an, sieht man eine unglaublich vitale, prosperierende, magische Weltmetropole, die sowohl bei Tag als auch bei Nacht in ihren Bann zieht.

In Ungarn und Polen scheint man auf die Unzulänglichkeiten des gegenwärtigen westlichen Modells mit einer Flucht in autoritäre Modelle ala China, Russland oder Türkei reagieren zu wollen. Es ist der falsche Weg. Vielleicht mögen noch andere Länder des Westens folgen wollen. Doch insgesamt ist diesem Weg keine gute Zukunft beschieden. An China kann man sich absehen, dass durch eine Öffnung und dem Zulassen von mehr Kapitalismus die Lebensverhältnisse der Menschen verbessert werden. Ansonsten kann man sich aber an China genauso absehen, dass man mit der falschen Meinung schonmal als Outlaw endet, der vielleicht sogar nicht einmal mehr reisen darf. Denn falls es jemand bereits weiss oder nicht, wird ein Sozialkreditsystem in China erwogen, sodass politisch umtriebige Querdenker keine Chance haben, bei negativer behördlicher Bewertung dieses Kontos, mit einem Flugzeug zu reisen. Die Fluggesellschaften werden vom Staat angewiesen, die staatlichen Forderungen umzusetzen und dürfen dann gewisse Menschen nicht reisen lassen. Das kann man auch eine Umerziehungsmaßnahme mit anderen Mitteln nennen.

Die unter westlich geführter Flagge getätigten amerikanischen Kriege waren niemals Ausdruck der westlichen Ideale sondern waren ihre Vergewaltigung. Eine Vergewaltigung derart, dass vorgegeben wurde, Freiheiten zu bringen, während man in Kauf nahm, dort Leid und Zerstörung zu schaffen, wo die Menschen tatsächlich Freiheit am nötigsten gebraucht hätten. Jeder Krieg war einer zu viel, war einer der gegen die Werte des Westens, wenn man darunter die Freiheit des Individuums versteht, wenn man darunter die Ideale von Thomas Jefferson versteht, gerichtet war. Das war, um es in der Sprache Erdogans zu formulieren, ein politischer Selbstmord.

Ich sage, der Westen kann als Leuchtfeuer für Freiheit, Frieden und Wohlstand zurückkehren, als Mittelpunkt aller Zivilisationen, wenn eine radikal-liberale Meinung innerhalb der Bevölkerungen des Westens salonfähig wird. Wenn die Menschen anstatt "Staat" das Wort "Freiheit" singen, schreien, tanzen, dichten. Wenn sie es auf alle Bereiche des gesellschaftlichen Lebens anwenden und nicht nur, wie die Linken, auf die persönlichen Angelegenheiten aber nicht auf die wirtschaftlichen und umgekehrt die Rechten auf die wirtschaftlichen Angelegenheiten aber nicht auf die persönlichen. Warum ist der Westen in meinen Augen, wenn er dem Jefferson Ideal Folge leistet, der Nabel der Zivilisationen ? Weil keine andere Philosophie außer die des Liberalismus, jedem Individuum von Geburt an unveräußerliche Rechte zugesteht, die zu rauben, kein Mensch, kein König und kein Gott, das Recht hätte. Auch nicht im Namen der Demokratie oder im Namen des Vaterlandes. Unter gar keinen Umständen, niemals, nirgends. Das bedeutet aber auch, sich in keine Konflikte mehr in der Welt einzumischen sondern selber zu einem Ort der Freiheiten und Möglichkeiten zu werden.

Mit all dem will ich nicht sagen, China sei ein Feind für den Westen, bloß, dass sich der gar nicht mehr so westliche Westen - eben genau darum - abhängig macht und dabei auch droht, seine eigene politische Orientierung zu verlieren oder gar aufzugeben. Mein Plädoyer für mehr freie Marktwirtschaft ist somit auch ein geostrategisches, denn auch hinsichtlich der restlichen Welt entsteht der Eindruck, dass die wirtschaftliche Potenz Chinas mit seiner Repression gegenüber persönlichen Freiheiten zusammenhänge, während die Annahme wächst, dass die persönlichen Freiheiten, die es im Westen noch gibt, die wirtschaftliche Potenz behindern. Beides ist großer Unfug. Wirtschaftliche Freiheit und persönliche Freiheiten sind ein Gesamtpaket des Liberalismus und erzeugen das am hellsten lodernde Feuer, dass Menschen eine Perspektive leuchtet, wenn ringsum die Nacht am dunkelsten ist.

Abschließend will ich noch sagen, dass der liberalste Staat der friedfertigste ist, da er keine Ressourcen den Menschen abknöpft um damit Streitheere aufzubauen, deren Kriegsgetobe, Menschen ihrer wertvollen Leben berauben. Und jedes Leben zählt. Der liberalste Staat hat weder die Ressourcen, noch die Behörden und Ministerien, um sich in alles dieser Welt einzumischen und der philosophische Liberalismus untersagt es ihm auch noch. Somit schafft man gar nicht erst einen Anreiz dafür, dass es zu militärischen Konflikten kommen kann, somit beugt man vor, dass ein Land ein Interesse haben kann, ein anderes Land hinsichtlich seiner politischen Ausrichtung zu manipulieren. Es ist lukrativer und einfacher, ein Land mit bereits ausgebauter Staatsinfrastruktur zu übernehmen, weil man diese Strukturen gar nicht erst legen sondern nur noch Köpfe darauf setzen muss.

Der Westen muss sich radikal hinterfragen, in Frage stellen, benötigt Menschen die das tun, ohne das Kind mit dem Bade auszuschütten. Dann orientiert sich auch die Welt wieder zunehmend an der Freiheit, weil die Welt erkennt, es ist ein noch größerer Gewinn für jeden Einzelnen, wenn wirtschaftliche und persönliche Freiheiten nicht als Gegensätze sondern als sich addierende Faktoren verstanden werden.





Austrian Economics
Frischling
Frischling

Männlich
Anzahl der Beiträge : 24
Alter : 27
Ort : Welt
Anmeldedatum : 30.01.17

Nach oben Nach unten

Vorheriges Thema anzeigen Nächstes Thema anzeigen Nach oben

- Ähnliche Themen

 
Befugnisse in diesem Forum
Sie können in diesem Forum nicht antworten