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Das fromme Klassensystem

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Das fromme Klassensystem

Beitrag von fidelio777 am 23.04.13 16:22

Konfessionelle Schulen:

Das fromme Klassensystem


Konfessionelle Schulen genießen viele Privilegien. Warum diese Sonderstellung?


Zu Beginn jedes Arbeitstages schickt Ariana P. ein Gebet gen Himmel, das sie mit einem Kreuzzeichen einleitet und abschließt. Dieses Morgenritual einmal auszulassen kommt der 40-Jährigen nicht in den Sinn. Dabei ist sie eigentlich gar nicht religiös. Ariana P. ist Lehrerin an einer katholischen Volksschule in Niederösterreich und möchte anonym bleiben. Beten ist Teil ihres Jobprofils: Erst wenn die Kinder im Chor Amen gesagt haben, kann der Unterricht beginnen.

Die Schule eines Nonnenordens ist im Grunde eine ganz gewöhnliche Volksschule. Nonnen unterrichten hier schon längst nicht mehr, wie überall sonst lernen die Kinder Schreiben, Rechnen, Laubsägen und spielen Völkerball. Sie lernen aber auch, wie man seine Sünden beichtet und Texte für die Schulmesse verfasst. Und immer mehr Eltern, so scheint es, strebten nach ebendieser Frömmigkeit. Fast 70.000 Schüler sitzen in einer katholischen Bildungseinrichtung, 3.500 in einer evangelischen.

"Aufgrund der großen Nachfrage und einer langen Warteliste besteht für das Schuljahr 2014 ab sofort Anmeldestopp", verkündet die Schule auf ihrer Homepage. "Sie werden immer mehr", sagt auch Ariana P. "Sie", das seien jene Eltern, die "davon ausgehen, dass ihre Kinder in Privatschulen einen besseren Umgang haben als anderswo". Aber warum wählen sie eine katholische und nicht irgendeine Privatschule?

72 Prozent der Privatschulen sind konfessionelle Schulen, nur sechs Prozent davon sind nicht in katholischer Hand. Im Pflichtschulbereich sind die nichtkonfessionellen Schulen für die meisten Eltern zu teuer. In einer durchschnittlichen Montessorischule fallen jährlich 3.800 Euro Schulgeld an, dazu kommen Einschreibgebühren und Mitgliedsbeiträge. In katholischen Schulen liegen die Beiträge hingegen bei rund 1.600 Euro.

Es geht nicht um Elitenbildung

Es ist paradox: Jene Kirchenschulen, die früher als Kaderschmieden der Oberschicht galten, scheinen heutzutage preiswerte Alternative zu Montessori-, Waldorf- und anderen Reformschulen zu sein. Das liegt nicht daran, dass die freie Schulen ein elitäres Publikum bevorzugten. Es ist auch nicht das freie Spiel von Angebot und Nachfrage, das zu diesen Preisen führt. Es ist der Staat, der das regelt. Das Privatschulgesetz sieht vor, dass die Schulen der Religionsgemeinschaften ihre Lehrer nicht selbst bezahlen müssen, andere private hingegen schon. Nichtkonfessionelle Schulen erhalten nur einen Zuschuss, der rund ein Viertel der laufenden Kosten abdeckt. Für den Rest müssen Schulgeld, Mitgliedsbeiträge und Spenden ausreichen.

Wer eine private Schule sucht und nicht über 200 Euro monatlich aufbringen kann, wird bei einer konfessionellen Schule landen. Alternativschulverbände und Oppositionsparteien kritisieren das seit Jahren und fordern Wahlfreiheit für die Eltern, doch, abgesehen von einer einmaligen Aufstockung der Fördermittel, blieben sie ungehört. Auch das Volksbegehren gegen Kirchenprivilegien widmet sich dem Thema. Religionsschulen würden bevorzugt, heißt es. Ganz im Gegenteil, argumentieren die Diözesen. "Die katholischen Schulen sind eine Kostenersparnis für den Staat", behauptet Christine Mann, Leiterin des Interdiözasen Amts für Unterricht und Erziehung.

Beide Seiten haben Recht. Es stimmt, dass Religionsgemeinschaften Kosten übernehmen, die in öffentlichen Schulen der Staat tragen muss – vom Schulwartgehalt bis zu Dachausbau und Sekretariat. Die Kirche stellt der Öffentlichkeit schulische Infrastruktur zu Verfügung.

http://www.zeit.de/2013/17/privatschulen-oesterreich

Doch stellt sich die Frage, warum der Staat diese Leistung nur von religiösen Anbietern akzeptiert. Bei nichtreligiösen Schulträgern, abgesehen von ein paar ebenfalls privilegierten Schulen mit Nähe zur Wirtschaftskammer, wie der Vienna Business School, hält er die Förderungen nicht nur knapp, sondern macht sie von der wirtschaftlichen Lage abhängig. Zuschüsse sind nur "nach Maßgabe des Budgets" vorgesehen.

Zwar hat SPÖ-Unterrichtsministerin Claudia Schmied das Förderbudget für nichtkonfessionelle Schulen vor vier Jahren deutlich erhöht. Dennoch reicht es nur für einen Zuschuss von knapp 1.000 Euro pro Schüler – eine durchschnittliche Alternativschule gibt jedoch 4.000 bis 6.000 Euro aus.

Dazu kommt, dass Förderungen an freie Schulen davon abhängig gemacht werden, ob "die Schule einem Bedarf der Bevölkerung entspricht". Das bedeutet: Plant ein Privater, seine Schule mitten im Einzugsgebiet einer öffentlichen Schule zu platzieren, werden die Förderungen verwehrt. Kirchlichen Schulen bleibt diese Bedarfsprüfung erspart. Sie erhalten Bundes- und Landeslehrer als sogenannte lebende Subvention automatisch zugeteilt.

Das jährliche Zittern um die Förderung

Warum diese Sonderstellung? Warum haben die großen Konfessionen, aber auch kleine Gemeinschaften wie die Zeugen Jehovas oder die Mormonen, einen Anspruch auf subventionierte Bildungsstätten, nicht aber religionsferne Vereine? Die knappe Antwort des Unterrichtsministeriums: "Ich sehe keine Bevorzugung", sagt Sprecher Josef Galley, "sondern einen völkerrechtlichen Vertrag." Tatsächlich beruht das Privatschulgesetz auf einem Vertrag der Republik mit dem Vatikan, unterzeichnet 1962 von Außenminister Bruno Kreisky. Dieses Teilkonkordat regelte die Subventionierung katholischer Schulen in Österreich, in der Folge wurde er analog auch auf alle anderen gesetzlich anerkannten Religionsgemeinschaften angewandt.

Für nichtreligiöse Vereine gilt diese Abmachung jedoch nicht. Und das finden nicht nur Laizisten ungerecht, Juristen halten es für verfassungswidrig. "Natürlich kann der Staat nicht alles finanzieren", meint der Salzburger Verfassungsrechtsprofessor Walter Berka. "Aber es ist nicht ganz einzusehen, warum er seine Förderungen auf bestimmte Schulen beschränkt, wenn doch auch andere Schulen denselben Qualitätskriterien entsprechen." Dass sie dies tun, wird schließlich staatlich geprüft – wer bestimmte Standards nicht erfüllt, bekommt ohnehin kein Öffentlichkeitsrecht.

Das jährliche Zittern um Förderungen schlägt direkt auf die Gehälter der Reformschullehrer durch. "Im Schnitt verdienen unsere Pädagogen um 25 Prozent weniger", sagt Momo Kreutz, Geschäftsführerin eines Dachverbands von rund 40 Alternativschulen. "Dafür verlangen wir mehr von ihnen", fügt sie mit einem bitteren Lachen hinzu. Wöchentliche Teamsitzungen, monatliche Elternabende, Weiterbildungen und Supervision – das alles gehört in vielen Reformschulen zum Arbeitsalltag. Manche Schulen gingen sogar so weit, ihre Lehrer Ende Juni zu kündigen, um sie am Ende der Sommerferien wieder einzustellen, erzählt Herbert Vanicek, selbst Leiter einer Reformschule in Baden bei Wien.

"Endlich wieder vernünftige Gehälter"

Eine, die das nicht mehr mit ansehen wollte, ist Regina Pachler, Gründerin der Alternativschule IMA in St. Pölten. Vor elf Jahren startete sie mit elf Schülern, heute sind es 44. Zusätzliche Lehrer zu finden wurde angesichts der schlechten Bezahlung immer schwieriger. Vor zwei Jahren zog Pachler die Reißleine und rief bei der Diözese an. Seither ist die Schule offiziell katholisch – mit allen Vorteilen. Auch Nachteilen? "Am Alltag in der Klasse hat sich wenig geändert", sagt Pachler, "die Kirche wusste ja, wie wir arbeiten und hatte nichts daran auszusetzen." Das Wichtigste sei, endlich wieder vernünftige Gehälter zahlen zu können.

Die freien Schulen klagen indes weiter über ihr gesetzlich verordnetes Schattendasein. Im Ministerium stößt das auf Unverständnis. "Niemand zwingt die Eltern, ihre Kinder in Schulen mit freier Trägerschaft zu geben", meint Sprecher Josef Galley. Wenn es brenzlig werde, greife die Bildungsverwaltung dann aber doch auf die freien Schulen zurück, erzählt Alternativschulsprecherin Kreutz: "Der Stadtschulrat schickt uns immer wieder mal sozial schwierige Schüler. Dann heißt es: Bitte, nehmt uns das Kind ab, mit dem werden wir nicht fertig." Für die Reformschulen sei diese Notnagelfunktion die einzige Möglichkeit, auch ärmere Schichten zu erreichen. "Wir hätten ja gerne auch Kinder von Arbeitern bei uns", sagt Kreutz. "Aber welche Putzfrau kann sich das schon leisten?"

Quelle: http://www.zeit.de/2013/17/privatschulen-oesterreich/seite-2

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Re: Das fromme Klassensystem

Beitrag von bushi am 23.04.13 17:40

....mit elitärer Schule bist auch im Leben privilegiert. king
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Re: Das fromme Klassensystem

Beitrag von fidelio777 am 24.04.13 13:24

bushi schrieb:....mit elitärer Schule bist auch im Leben privilegiert. king

Nicht unbedingt. Auch in einer elitärer Schule hat es nicht privigilerte Kinder wie man im Bericht lesen kann. Ferner wird gewünscht, dass es doch noch mehr Kinder geben möge die aus armen Verhältnissen stammen.

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